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Seit 27. September braucht die Umweltaussage einen Beleg

Nachhaltigkeit war bisher ein Adjektiv im Slogan. Seit 27. September 2026 muss sie eine Angabe sein, die auf derselben Seite belegt ist.

Von Norbert Oberndorfer

, 5 Minuten, aktualisiert 5. Oktober 2026

Welkes Blatt, zur Hälfte grün angemalt, daneben ein PinselKI-generiert

Kurz gefasst

  • Seit 27. September 2026 gelten allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ ohne anerkannten Nachweis als unlauter – ohne Prüfung im Einzelfall.
  • Die österreichische Übergangsregelung von drei Jahren betrifft nur Waren, nicht Dienstleistungen und nicht die Werbung für Waren – und sie gilt nur in Österreich.
  • Ein QR-Code oder Link auf die Nachweise genügt nicht, die Erklärung muss auf demselben Medium stehen.
  • Konkrete, belegbare Angaben bleiben zulässig – meist genügt es also, die Texte umzuschreiben.

Auf vielen Unternehmenswebsites steht ein Satz wie „Wir arbeiten umweltfreundlich und nachhaltig“. Seit dem 27. September 2026 ist dieser Satz ohne anerkannten Nachweis eine unlautere Geschäftspraktik – unabhängig davon, ob ihn je jemand missverstanden hat.

Grundlage ist die EU-Richtlinie 2024/825, kurz EmpCo für „Empowering Consumers for the Green Transition“. Österreich hat sie durch eine Novelle des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb umgesetzt, also jenes Gesetzes, das unlautere Geschäftspraktiken gegenüber Mitbewerbern sowie Verbrauchern regelt und meist als UWG abgekürzt wird. Der Nationalrat beschloss die Novelle am 7. Juli 2026, veröffentlicht wurde sie am 28. Juli als BGBl. I Nr. 58/2026, anzuwenden ist sie seit 27. September 2026.

Die schwarze Liste macht die Einzelfallprüfung überflüssig

Neu ist vor allem eine Verschiebung. Mehrere Formen der Umweltwerbung wandern in den Anhang des UWG, die sogenannte schwarze Liste. Was dort steht, gilt in jedem Fall als unlauter.

Auf der Liste stehen jetzt unter anderem allgemeine Umweltaussagen ohne nachgewiesene hervorragende Umweltleistung, Nachhaltigkeitssiegel ohne Zertifizierungssystem, Klimaaussagen auf Basis von Kompensation und Umweltaussagen über das ganze Produkt oder Unternehmen, die nur einen Teilaspekt betreffen (Anhang Z 2a und 4a bis 4c UWG).

Bisher musste die klagende Partei darlegen, dass eine Aussage geeignet ist, Konsumenten in die Irre zu führen und ihre Kaufentscheidung zu beeinflussen. Bei den neuen Verbotstatbeständen entfällt dieser Schritt – die Verwendung allein reicht. Das Argument „Versteht das wirklich jemand falsch?“ hilft seit dem Stichtag nur noch bei Aussagen, die nicht auf der Liste stehen.

Allgemeine Aussagen brauchen ein Zeichen, spezifische nur die Wahrheit

Unter die unzulässigen allgemeinen Umweltaussagen fallen laut WKO Begriffe wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „grün“, „klimaneutral“, „ökologisch“, „CO2-freundlich“ oder „biologisch abbaubar“. Zulässig bleiben sie nur, wenn dahinter eine anerkannte hervorragende Umweltleistung steht. Die WKO nennt dafür drei Grundlagen, nämlich das EU-Umweltzeichen, nationale oder regionale Umweltkennzeichen nach EN ISO 14024 Typ I, zu denen das Österreichische Umweltzeichen zählt, sowie einschlägige Höchstleistungen nach sonstigem Unionsrecht, etwa die Klasse A beim Energieverbrauch.

Klimaneutral durch Zertifikate. Aussagen wie „klimaneutral“, „CO2-neutral“ oder „Net Zero“ sind laut WKO unzulässig, wenn sie ausschließlich auf der Kompensation von Treibhausgasen beruhen, etwa durch gekaufte CO2-Zertifikate. Die Aussage muss sich auf nachweisbare Eigenschaften des Produkts selbst stützen.

Siegel brauchen ein System. Nachhaltigkeitssiegel dürfen laut WKO nur verwendet werden, wenn sie auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen oder von einer staatlichen Stelle festgesetzt wurden. Selbst gestaltete Auszeichnungen fallen damit weg.

Spezifische Aussagen bleiben dagegen erlaubt, sofern sie zutreffen. Die WKO nennt als Beispiel „100 Prozent der für die Herstellung dieser Verpackungen verwendeten Energie stammen aus erneuerbaren Quellen.“ Das ist der Unterschied zwischen einer Behauptung und einer Angabe. Ein Betrieb, der statt „umweltfreundliche Fertigung“ schreibt, dass die Halle seit 2024 mit eigener Photovoltaik und Fernwärme betrieben wird, hat danach ein überprüfbares Argument.

Beim Begriff „bio“ ist Vorsicht angebracht. Die WKO führt ihn in ihrer Liste der allgemeinen Umweltaussagen. Bei zertifizierten Lebensmitteln ist die Bezeichnung allerdings durch die EU-Bio-Verordnung geregelt und damit belegt. Wer im Lebensmittelbereich arbeitet, klärt diesen Punkt besser mit der Zertifizierungsstelle, statt vorschnell zu streichen.

Die Übergangsfrist schützt nur den Warenbestand

Österreich hat eine Übergangsregelung für Altbestände vorgesehen, und sie wird häufig zu weit gelesen. Nach Angaben der WKO können zivilrechtliche Ansprüche wegen Verstößen betreffend Waren bis drei Jahre nach Inkrafttreten nur geltend gemacht werden, sofern die Ware nach dem 27. September 2026 in Verkehr gebracht wurde – das gilt ausdrücklich nicht für Dienstleistungen und nicht für die Werbung für diese Waren. Zudem gilt die Regelung nach Angaben der WKO nur in Österreich, nicht in anderen EU-Mitgliedstaaten.

Dienstleistungsbetriebe sind seit dem Stichtag also voll erfasst. Im Handel ist der Lagerbestand drei Jahre lang geschützt, die Website nicht. Hintergrund der Regelung sind nach Kanzleidarstellungen Produkte mit geringer Umschlagshäufigkeit, die nicht allein wegen ihrer Kennzeichnung vernichtet werden sollen.

Der Nachweis muss auf derselben Seite stehen

Unmittelbare Folgen für Webprojekte hat, dass ein Link oder QR-Code auf weiterführende Nachweise nach Angaben der WKO nicht genügt. Umweltaussagen müssen auf demselben Kommunikationsmedium und in unmittelbarem Zusammenhang klar und hervorgehoben erläutert werden – etwa auf derselben Verpackung oder derselben Webseite. Damit fällt die verbreitete Lösung weg, das Adjektiv im Slogan stehen zu lassen und die Details auf eine Unterseite „Nachhaltigkeit“ zu verschieben.

Betroffen ist zudem mehr als der Fließtext. Die Legaldefinition der Umweltaussage in § 1 Abs. 4 Z 11 UWG erfasst Texte, Bilder, grafische Elemente und Symbole, ausdrücklich auch Etiketten, Markennamen, Firmennamen und Produktbezeichnungen.

Sechs Stellen, an denen alte Umweltaussagen oft übersehen werden

  • Slogan, Seitentitel und Meta-Beschreibungen
  • Bildunterschriften, Icons und Farbgestaltung mit Umweltbezug
  • Gütesiegel und selbst gestaltete Auszeichnungen
  • Prospekte, Verpackungen, Fahrzeug- und Fassadenbeschriftung
  • Produkt-, Marken- und Firmennamen mit Umweltbezug
  • Angebotsvorlagen, E-Mail-Signaturen und Social-Media-Profiltexte

Auch „nachhaltiger Arbeitgeber“ fällt darunter

Wenig beachtet wird bisher, dass die Novelle auch Aussagen und Siegel mit sozialem Bezug erfasst, laut WKO etwa zu fairen Arbeitsbedingungen, Menschenrechten, Gleichbehandlung oder Tierschutz. Ausdrücklich genannt wird das Employer Branding. Formulierungen wie „nachhaltiger Arbeitgeber“ können rechtlich relevant werden, wenn sie in der Kommunikation gegenüber Verbrauchern verwendet werden.

Das trifft Betriebe, die um Fachkräfte werben und dafür Karriereseiten und Arbeitgeber-Auszeichnungen einsetzen. Die Bestimmungen gelten laut WKO im Verhältnis zwischen Unternehmern und Verbrauchern, der Bereich zwischen Unternehmen ist grundsätzlich ausgenommen – relevant wird er erst, wenn dieselben Aussagen auch gegenüber Verbrauchern eingesetzt werden.

Auch Formulierungen aus dem Nachhaltigkeitsbericht lassen sich nicht ungeprüft übernehmen. Was im Bericht zulässig ist, kann laut WKO in der Werbung als allgemeine oder irreführende Umweltaussage bewertet werden.

Vier Prozent Strafe treffen den grenzüberschreitenden Fall

In vielen Zusammenfassungen steht eine Strafdrohung von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Diese Zahl steht in § 22 UWG, der 2022 zur Umsetzung der EU-Modernisierungsrichtlinie 2019/2161 eingefügt wurde. Sie gilt nur für wissentliche, offensichtlich irreführende oder aggressive Praktiken, die als weitverbreiteter Verstoß im Sinne der CPC-Verordnung 2017/2394 im Rahmen einer koordinierten Durchsetzungsmaßnahme der Verbraucherschutzbehörden verfolgt werden; liegen keine Umsatzdaten vor, sind bis zu zwei Millionen Euro möglich.

Für einen Betrieb mit regionalem Kundenstamm ist das nicht das realistische Risiko. Verstöße gegen das UWG werden in Österreich in erster Linie im Zivilrechtsweg verfolgt. Mitbewerber, Interessenverbände und Verbraucherschutzeinrichtungen können auf Unterlassung und Beseitigung klagen, bei Verschulden kommt Schadenersatz dazu. Praktisch heißt das eine Abmahnung oder eine einstweilige Verfügung, die rasch kommt und Kosten verursacht, die eine Textänderung um ein Vielfaches übersteigen.

Vor der Textdurchsicht stehen fünf Fragen

  1. Welche Umweltaussagen stehen in der eigenen Kommunikation, und wo genau?
  2. Beruht jede davon auf einem anerkannten Zeichen oder auf einer konkreten, nachweisbaren Angabe – und ein Klimaclaim auf eigener Reduktion statt nur auf Kompensation?
  3. Steht der Nachweis dort, wo die Aussage steht, oder auf einer anderen Seite?
  4. Wofür wurde ein verwendetes Siegel tatsächlich vergeben, beruht es auf einem Zertifizierungssystem, und deckt es die Aussage ab?
  5. Gibt es für einen Zukunftsclaim wie „klimaneutral bis 2030“ einen detaillierten Umsetzungsplan mit öffentlich einsehbaren Verpflichtungen und unabhängiger Überprüfung?

Die geplante Verschärfung kommt vorerst nicht

Neben EmpCo war ein zweiter Rechtsakt geplant, die Green-Claims-Richtlinie mit förmlichen Nachweis- und Vorabprüfpflichten. Dieses Vorhaben ist laut WKO auf Eis gelegt und dürfte nicht weiterverfolgt werden. Wer jetzt eine Zertifizierungsarchitektur aufbaut, rüstet für eine Regelung, die es nicht gibt.

Wer die eigene Kommunikation jetzt durchgeht, legt eine Liste aller Umweltaussagen an, belegt oder streicht jede einzelne und benennt eine Person, die für beides verantwortlich ist.

Die Novelle verlangt für jede Umweltaussage einen Beleg, der auf derselben Seite steht wie die Aussage selbst. Eine neue Nachhaltigkeitsstrategie braucht es dafür nicht.

Häufige Fragen

Was gilt seit 27. September 2026?

Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ gelten ohne anerkannten Nachweis als unlauter, ohne Prüfung im Einzelfall. Grundlage ist die EmpCo-Richtlinie 2024/825, umgesetzt durch eine UWG-Novelle.

Welche Umweltaussagen bleiben erlaubt?

Allgemeine Aussagen nur mit anerkannter hervorragender Umweltleistung, etwa EU-Umweltzeichen, Österreichischem Umweltzeichen oder Energieklasse A. Spezifische Aussagen bleiben zulässig, wenn sie zutreffen.

Genügt ein Link oder QR-Code auf die Nachweise?

Nein. Laut WKO muss die Erläuterung auf demselben Medium und in unmittelbarem Zusammenhang mit der Aussage stehen.

Gilt die Übergangsfrist auch für Dienstleistungen?

Nein. Sie betrifft nur Waren, nicht Dienstleistungen und nicht die Werbung für Waren, und sie gilt nur in Österreich. Dienstleistungsbetriebe sind seit dem Stichtag voll erfasst.

Quellen

Angaben zu den neuen Verbotstatbeständen, zur Übergangsregelung, zum Erfordernis desselben Kommunikationsmediums sowie zu Kompensation, Nachhaltigkeitssiegeln, sozialen Aussagen und Employer Branding nach der Information „EmpCo: Neue UWG-Bestimmungen gegen Greenwashing“ der WKO, Stand 28. September 2026. Rechtsgrundlage ist die Richtlinie (EU) 2024/825, umgesetzt durch die UWG-Novelle BGBl. I Nr. 58/2026, im Nationalrat beschlossen am 7. Juli 2026, veröffentlicht am 28. Juli 2026, anzuwenden seit 27. September 2026. Schwarze Liste, Legaldefinition, Übergangsregelung (§ 44 Abs. 16) und Bußgeldregime (§ 22) nach dem UWG in der geltenden Fassung laut RIS, abgerufen am 5. Oktober 2026. Der Hintergrund der Übergangsregelung stammt aus Darstellungen spezialisierter Rechtsanwaltskanzleien und nicht aus amtlichen Erläuterungen. Dieser Beitrag beschreibt die kommunikative Seite der neuen Bestimmungen und ersetzt keine Rechtsberatung; zur Beurteilung einzelner Aussagen ist eine anwaltliche Prüfung erforderlich.

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