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Wenn das Netz weg ist, ist auch die Aussendung weg

Viele Krisenpläne beginnen beim ersten Statement. Die Frage davor, ob es überhaupt jemanden erreicht, steht kaum in einem.

Von Norbert Oberndorfer

, 3 Minuten

Dorf in der Abenddämmerung bei Stromausfall, nur wenige Fenster erleuchtetKI-generiert

Ein Kommunikationsplan setzt stillschweigend voraus, dass E-Mail, Telefon und Website funktionieren. Genau diese Annahme fällt bei einem Blackout und bei einem Ransomware-Angriff als erstes weg.

Das Burgenland hat sein Netz zusammengeschaltet

Das Land Burgenland hat sein Hochsicherheitsnetz im Raum Oberwart auf eine sogenannte Multipunktkommunikation erweitert. Bisher liefen die Verbindungen als Punkt-zu-Punkt-Strecken zwischen jeweils zwei Standorten; nun lassen sich mehrere Standorte gleichzeitig in einem gemeinsamen Netz zusammenschalten.

Nach Darstellung des Landes bleiben Behörden, Einsatzorganisationen und kritische Einrichtungen damit auch bei Internetausfällen, Cyberattacken oder einem Blackout handlungsfähig. Genannt werden Reichweiten von bis zu 80 Kilometern und eine abhörsichere Quantenverschlüsselung, also eine Schlüsselübertragung, deren Mitlesen physikalisch auffallen würde. Erweitert wurde das Netz unter der Leitung der BE Technology GmbH, einer Tochtergesellschaft der landeseigenen Burgenland Energie. Landesrat Leonhard Schneemann nennt es einen „technologischen Quantensprung“.

Die Vorgeschichte ist die aufschlussreichere Stelle. Bei der landesweiten Blackout-Übung im Oktober 2025, an der nach Angaben des Landes 17 Organisationen und Unternehmen der kritischen Infrastruktur teilnahmen, testete die BE Technology auf einer 40 Kilometer langen Glasfaserstrecke zwischen dem Feuerwehrhaus Oberwart und dem Sender Hirschenstein eine autarke Verbindung – unter der Annahme, dass öffentliches Internet, Mobilfunk und Festnetz ausfallen. Die Stromversorgung an diesen beiden Standorten war ausdrücklich kein Prüfgegenstand. Dass dort Notstrom bereitsteht, wurde vorausgesetzt.

Die Frage kommt vor dem Statement

Krisenkommunikation wird üblicherweise ab dem Moment geplant, in dem etwas zu sagen ist. Der Schritt davor fehlt. Über welchen Weg erreicht die Gemeinde ihre Bevölkerung, wenn der Auslöser der Krise genau die Infrastruktur ist, über die sonst kommuniziert wird?

Bei einem Blackout hängt jeder Kanal an fremder Stromversorgung. Die Website liegt beim Hoster, der Mobilfunk an Batteriepuffern der Sendestationen, deren Laufzeit begrenzt ist. Bei einem Ransomware-Angriff sind E-Mail-Konten und Verteiler oft das Erste, was abgeschaltet wird – und zwar von der eigenen IT, aus guten Gründen. Der Verteiler mit den Handynummern des Krisenstabs liegt dann auf einem Laufwerk, das niemand mehr öffnen kann.

Eine Gemeinde braucht dafür kein eigenes Netz

Kontaktliste offline. Krisenstab, Einsatzorganisationen, Bezirkshauptmannschaft und die zwei wichtigsten Redaktionen gehören ausgedruckt an zwei Orte, mit Datum der letzten Aktualisierung.

Zweiter Kanal. Infrage kommen ein Regionalradio, eine Anschlagfläche oder ein Verteiler, der auch von einem privaten Gerät aus bedient werden kann. Entscheidend ist, dass er nicht über dieselbe Infrastruktur läuft wie der Regelbetrieb. Am verlässlichsten ist Radio. Der ORF Burgenland schaltete bei derselben Übung an drei Sendern den Strom ab, die Notstromaggregate übernahmen, und laut dem technischen Leiter hält die Versorgung mindestens 72 Stunden.

Anlaufstelle mit Adresse. Wenn digital nichts geht, bleibt der physische Ort. Welches Gebäude ab wann besetzt ist und woran man es erkennt, gehört vorab festgelegt und einmal im Jahr wiederholt.

Vorformulierte Texte. Drei kurze Meldungen für Ausfall, Ursachenklärung und Entwarnung liegen fertig bereit. Sie sind im Ernstfall nicht besser formuliert als heute, nur schneller verfügbar.

Einmal probieren. Dazu gehört eine Übung, bei der angenommen wird, dass Internet und Amtsmail weg sind. Sie dauert zwei Stunden und zeigt Fehler, die in keinem Konzept auffallen.

Der teuerste Teil ist nicht die Technik

Quantenverschlüsselung und 80 Kilometer Reichweite sind Landesprojekte. Was eine Gemeinde daraus mitnimmt, ist die Reihenfolge. Zuerst kommt die Frage, ob gesendet werden kann, dann die Frage, was gesendet wird.

Eine ausgedruckte Liste und ein zweiter Kanal kosten einen Vormittag. Wer sie nicht hat, merkt das erst an dem Tag, an dem er sie braucht.

Häufige Fragen

Wie informiert eine Gemeinde, wenn bei Blackout oder Cyberangriff E-Mail und Website ausfallen?

Über einen vorab festgelegten Kanal, der nicht an der eigenen Infrastruktur hängt, etwa Regionalradio, eine Anschlagfläche oder einen Verteiler, der von einem privaten Gerät aus bedient werden kann. Dazu kommt eine Anlaufstelle mit fester Adresse.

Warum gehört die Kontaktliste auf Papier?

Bei einem Ransomware-Angriff werden Mailkonten und Laufwerke oft als Erstes abgeschaltet. Krisenstab, Einsatzorganisationen, Bezirkshauptmannschaft und die wichtigsten Redaktionen gehören ausgedruckt an zwei Orte, mit Datum der letzten Aktualisierung.

Wie aufwendig ist die Vorbereitung?

Liste und zweiter Kanal kosten etwa einen Vormittag. Eine Übung ohne Internet und Amtsmail dauert rund zwei Stunden.

Quellen

Über die Erweiterung des burgenländischen Hochsicherheitsnetzes auf Multipunktkommunikation berichtete ORF Burgenland am 8. September 2026 mit Angaben des Landes und der BE Technology GmbH. Die genannten technischen Eigenschaften, also Reichweite bis 80 Kilometer und Quantenverschlüsselung, sind Angaben des Betreibers und wurden nicht unabhängig überprüft. Die BE Technology GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Burgenland Energie und damit über die Landesholding im Eigentum des Landes. Landesangabe und Betreiberangabe sind hier dieselbe Quelle. Die Blackout-Übung und die Glasfaserstrecke Oberwart–Hirschenstein beschreibt das Land Burgenland in einer Darstellung vom Oktober 2025. Die Stromversorgung an den beiden Standorten war kein Prüfgegenstand der Übung. Über die Notstromfähigkeit seiner Sender berichtete ORF Burgenland am 23. Oktober 2025. Dieser Beitrag ordnet den Fall kommunikativ ein und ersetzt keine sicherheitstechnische Beratung im Einzelfall.

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