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Akkubrände treffen jeden Abfallverband – erklärt wird meist erst nach dem Feuer

Die meisten Anfragen zu Akkus dürften Abfallverbände nach einem Brand erreichen. Seit Juni 2026 liegt eine Hochrechnung der Montanuniversität Leoben vor, nach der die Fehlwürfe im Restmüll viel stärker gestiegen sind als bisher geschätzt – wie stark genau, lässt sich aus den Aussendungen nicht nachvollziehen.

Von Norbert Oberndorfer

, 5 Minuten

Ein einzelnes Glutstück leuchtet unter grauer Asche in einer erkalteten FeuerstelleKI-generiert

Brennt im Nachbarbezirk ein Altstoffsammelzentrum, dürften Anrainer und Gemeinderäte auch beim eigenen Verband nachfragen, wie sicher die Anlage vor ihrer Haustür ist. Die Antwort fällt leichter, wenn die Zahlen dahinter bekannt sind – samt ihren Schwächen.

Dass mehr Akkus im Restmüll landen, bestreitet niemand

Zwei Schätzungen der Montanuniversität Leoben liegen weit auseinander. Im Februar 2026 nannten das Umweltministerium und die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) rund drei Millionen Lithiumbatterien pro Jahr im österreichischen Restmüll, etwa zwei pro Tonne. Im Juni 2026 stellte der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) eine neue Untersuchung derselben Universität vor. Danach seien es im Schnitt acht pro Tonne, hochgerechnet rund 70 in jedem Müllwagen und rund 17 Millionen im Jahr. Die Fehlwürfe hätten sich in zehn Jahren vervierfacht.

Hochrechnungen aus Restmüllproben sind beide Werte – als Größenordnung taugen sie, als Zählung nicht. Im Februar erwartete das Umweltministerium noch eine Verdoppelung auf rund sechs Millionen in den nächsten Jahren. Woher der Sprung auf 17 Millionen kommt, erklären die Aussendungen nicht.

Brände in der Abfallwirtschaft nehmen zu, auch wenn nicht jeder auf einen Akku zurückgeht. Wird ein Akku im Müllwagen oder in der Sortieranlage zerdrückt, kann er sich laut Umweltministerium selbst entzünden. Fachleute nennen das thermisches Durchgehen, eine Kettenreaktion, bei der die Temperatur im Akku immer weiter steigt. Der VOEB zählte 2025 in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben 36 größere Brände, in mehreren Fällen gelten falsch entsorgte Akkus als vermutete Ursache. Zwischen 2012 und 2024 hat sich die Zahl der Brandereignisse laut VOEB verfünffacht.

Niederösterreichs Feuerwehren rückten 2025 laut ihrer Jahresbilanz zu 8.410 Brandeinsätzen aus, 16 Prozent mehr als im Jahr davor. Als Hauptursachen nannte Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner Akkus in Geräten wie Rollern und Handys sowie Flur- und Waldbrände.

Ein Brand dürfte auch im Nachbarbezirk Fragen auslösen

In Wels-Nord brannte am 1. April 2026 spätabends im Altstoffsammelzentrum ein Sperrmüllcontainer, am nächsten Morgen flammte das Feuer noch einmal auf. Laut Tips entstand ein Schaden im fünfstelligen Bereich, als wahrscheinliche Ursache galt ein falsch entsorgter Lithium-Ionen-Akku. Die Stadtpolitik verband den Bericht gleich mit einem Appell, Akkus kostenlos im Sammelzentrum abzugeben.

Erwartbar sind danach Fragen, wo der eigene Verband Akkus lagert und was bei einem Feuer mit Rauch und Löschwasser geschieht. Laut Bundesfeuerwehrverband kann die Bekämpfung solcher Brände mehrere Tage dauern und die Luft lange mit Schadstoffen belasten. Das Löschwasser muss aufgefangen und aufwendig entsorgt werden. Solche Fragen dürften auch Leute stellen, die nie einen Akku in den Restmüll geworfen haben.

Wie eine Organisation solche Meldungen früh mitbekommt, beschreibt der Beitrag zur Frühwarnung in der Medienbeobachtung.

Sechs Dinge kann ein Verband vor dem Ernstfall festlegen

Wer die Antworten vorher klärt, muss sie nach einem Brand nur noch anpassen und freigeben.

  • Sprecher – wer nach einem Brand für den Verband spricht und wer einspringt, wenn Obmann oder Geschäftsführung nicht erreichbar sind
  • Verbandsgemeinden – wie die Bürgermeister vom Brand erfahren, bevor ihre Gemeindebürger sie darauf ansprechen
  • Sammelstellen – eine kurze, allgemein verständliche Beschreibung, wie Akkus im Sammelzentrum gelagert und abgeholt werden
  • Rauch und Löschwasser – mit der Feuerwehr abgestimmte Hinweise für Anrainer, die im Ernstfall nur noch ergänzt werden
  • Erste Meldung – ein Textbaustein für Website und Gemeindezeitungen mit Ort, Zeit, Auswirkungen auf den Betrieb und dem Zeitpunkt der nächsten Information
  • Brand anderswo – eine kurze Stellungnahme für den Fall, dass ein Medium nach einem Brand bei einem anderen Verband nach der eigenen Lage fragt

Wer vorher aufgeklärt hat, kann nach dem Brand darauf verweisen

Aufklärung läuft bereits auf mehreren Ebenen. Von 12. bis 17. Oktober 2026 fand erstmals eine österreichweite Aktionswoche gegen Batteriebrände statt, getragen vom Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der Wirtschaftskammer, der Vereinigung öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe (VÖA) und der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände. Die NÖ Umweltverbände riefen in dieser Woche dazu auf, Batterien, Akkus und Elektrogeräte weder in den Restmüll noch in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne zu werfen. Seit April 2026 läuft außerdem die zweite Runde der Kampagne „Her mit Leer“ von EAK, Umweltministerium, Gemeindebund und Wirtschaftskammer, angelegt auf drei Jahre.

Fest verbaute Akkus sind laut Umweltministerium besonders tückisch, weil viele nicht wissen, in welchen Alltagsgeräten sie stecken. Lässt sich der Akku nicht ohne Werkzeug entfernen, gehört laut EAK das ganze Gerät zur Sammelstelle. Ein Verband, der im Gemeindeblatt schon gezeigt hat, in welchen Geräten Akkus stecken, von der elektrischen Zahnbürste bis zur Einweg-E-Zigarette, kann nach einem Brand darauf verweisen.

Die Vorbereitung entscheidet, wie der Verband nach dem Brand dasteht

Einen Brand verhindert keine Pressearbeit. Wer Sprecher, Textbausteine und den Draht zu den Gemeinden vorher geklärt hat, beantwortet die erste Anfrage noch am selben Tag.

Häufige Fragen

Wie viele Lithiumbatterien landen in Österreich im Restmüll?

Die Schätzungen der Montanuniversität Leoben reichen von rund drei Millionen (genannt im Februar 2026) bis rund 17 Millionen pro Jahr (Untersuchung vom Juni 2026). Beide Werte sind Hochrechnungen aus Restmüllproben, woher der Unterschied kommt, erklären die Aussendungen nicht.

Warum lösen Akkus im Müll Brände aus?

Wird ein Akku im Müllwagen oder in der Sortieranlage zerdrückt, kann er sich laut Umweltministerium selbst entzünden. Dieses thermische Durchgehen ist eine Kettenreaktion, bei der die Temperatur im Akku immer weiter steigt.

Was sollte ein Abfallverband vor einem Brand vorbereiten?

Sprecher und Vertretung, den Informationsweg zu den Verbandsgemeinden, eine Beschreibung der Akkulagerung, abgestimmte Hinweise zu Rauch und Löschwasser, einen Textbaustein für die erste Meldung und eine Stellungnahme für Brände bei anderen Verbänden.

Wohin gehören Geräte mit fest verbautem Akku?

Lässt sich der Akku nicht ohne Werkzeug entfernen, gehört laut EAK das ganze Gerät zur Sammelstelle. Die NÖ Umweltverbände warnen davor, Batterien, Akkus und Elektrogeräte in den Restmüll oder in den Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne zu werfen.

Quellen

Stand 29. Oktober 2026. Alle Zahlen zu Lithiumbatterien im Restmüll sind Hochrechnungen der Montanuniversität Leoben, wiedergegeben nach Aussendungen von Umweltministerium, EAK und VOEB. Die Originalstudie vom Juni 2026 war bis Redaktionsschluss nicht öffentlich auffindbar. Die Zahl von 36 größeren Bränden 2025 und die Verfünffachung seit 2012 nennt der VOEB, beide Angaben sind nicht unabhängig geprüft. Die Angaben zu Branddauer und Löschwasser stammen vom Bundesfeuerwehrverband beim Medientermin von Umweltministerium und EAK am 17. Februar 2026. Die Feuerwehrzahlen für Niederösterreich stammen aus der Jahresbilanz der NÖ Feuerwehren vom 19. Februar 2026, die genannten Hauptursachen aus dem APA-Bericht dazu. Der Beitrag beschreibt die kommunikative Seite und ersetzt keine Rechts- oder Brandschutzberatung.

Peak Consulting (Norbert Oberndorfer, Bergland, Niederösterreich) bereitet mit Abfallverbänden Sprecherregelung und Textbausteine vor, bevor es brennt, und plant mit ihnen Aufklärungskampagnen. Der Krisenradar beobachtet als Pilotprojekt zusätzlich Meldungen über Brände in Abfallanlagen und neue Sammelregeln und meldet, was für einen Verband zur Anfrage werden kann. Mehr dazu unter peakconsulting.at/krisenradar.

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