Der Gemeindekanal hing am Privatprofil des Bürgermeisters
Die Facebook-Seite einer Gemeinde wird oft über das Privatkonto eines Funktionärs angelegt und bleibt an diesem Konto hängen. Am 8. September 2026 sperrte Meta das Privatkonto des Tieschener Bürgermeisters – und mit ihm, nach seinen Angaben, die Seite der Marktgemeinde.

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Kurz gefasst
- Am 8. September 2026 sperrte Meta die Konten des Tieschener Bürgermeisters Martin Weber, nach seinen vom Gemeindebund wiedergegebenen Angaben auch die Facebook-Seite der Marktgemeinde, deren Administrator er ist.
- Angekündigt war eine dauerhafte Deaktivierung, am Nachmittag des 16. September waren die Konten nach acht Tagen wieder erreichbar.
- Eine konkrete Begründung hat Meta in keiner der geprüften Quellen genannt, eine von Weber als Meta-Kanzlei bezeichnete Stelle führte die Sperre laut ORF Steiermark auf eine KI-basierte Software zurück.
- Die Streitbeilegung bei der RTR nach Art. 21 DSA kann bis zu 90 Tage dauern und ist für die Plattform nicht bindend, verbindlich über die Wiederherstellung eines Kontos entscheidet nur ein Gericht.
- Hängt ein amtlicher Kanal an einem einzigen Privatkonto, fällt er mit dessen Sperre aus, abgesichert ist er erst mit einer zweiten Person mit Administratorrechten und mit Adressen außerhalb der Plattformen.
Wer die Öffentlichkeitsarbeit einer Gemeinde, einer Pfarre oder eines Vereins macht, nimmt den kürzesten Weg und legt die Seite über das eigene, bereits vorhandene Profil an, die Chats laufen über die private Nummer. Das funktioniert jahrelang, bis das Privatkonto gesperrt wird und niemand sonst Rechte, mit denen jemand eine Seite verwaltet, Beiträge veröffentlicht und weiteren Personen Zugriff gibt oder entzieht. für die Seite hat.
Die Sperre traf ein Privatkonto und erreichte die Gemeindeseite
Der Ablauf. Am 6. September wurde in Sachsen-Anhalt gewählt. Martin Weber, Bürgermeister der steirischen Marktgemeinde Tieschen, reagierte am Tag darauf mit einem Facebook-Posting auf das Ergebnis. ORF Steiermark fasst es als Vergleich zwischen Donald Trump und der AfD zusammen. Laut Heute sprach sich Weber darin dafür aus, dass die AfD den Ministerpräsidenten stellen solle, weil der Wähler recht habe und die Partei nun liefern müsse; Mitbewerber sollten keine Kandidaten aufstellen, die bei der Wählerschaft nicht ankommen – als Beispiel nannte er Joe Biden und die Wiederwahl Donald Trumps. Am 8. September um 9.32 Uhr erhielt Weber laut Kronen Zeitung, zitiert von Heute, die Mitteilung, sein Facebook-Konto sei gesperrt, weil es gegen Metas Bedingungen dazu verstoße, wer Facebook nutzen darf. Er beantragte über die angebotene Funktion eine neuerliche Prüfung; um 11.17 Uhr folgte die Nachricht, sie sei nicht erfolgreich gewesen, das Konto werde dauerhaft deaktiviert. Gegenüber dem ORF spricht Weber von rund einer Stunde zwischen Einspruch und Antwort. Betroffen waren auch sein Instagram-Konto und sein WhatsApp-Zugang.
Weber sei Administrator der Facebook-Seite der Marktgemeinde Tieschen, deshalb sei auch diese Seite gesperrt worden – so seine Angaben, wiedergegeben vom Gemeindebund. ORF und Krone erwähnen die Gemeindeseite nicht; ob sie gesperrt oder nur ohne Verwalter war, lässt sich aus den Quellen nicht klären. Stimmt Webers Darstellung, hing an einer Entscheidung über ein Privatkonto der amtliche Kanal einer Gemeinde, obwohl dieser gar nicht Gegenstand des Verfahrens war.
Die Folgen im Amtsbetrieb. Weber schildert, er habe über Facebook und Instagram als Bürgermeister über Gemeindeinfos berichtet und über WhatsApp mit den Mitarbeitern des Wirtschaftshofs korrespondiert. Wer ihn erreichen wollte, musste laut Heute auf SMS ausweichen. Der Krone erzählte Weber, er sei schon gefragt worden, ob er auf Urlaub sei, weil niemand etwas von ihm höre.
Was die Sperre ausgelöst hat, hat Meta nicht gesagt
Die Auskunft. Weber berichtet laut ORF Steiermark von mehrfachem Kontakt mit einer von ihm als Meta-Kanzlei bezeichneten Stelle; diese habe die Sperre auf eine KI-basierte Software zurückgeführt, danach sei der Fall auch persönlich überprüft worden. Am Nachmittag des 16. September waren die Konten wieder erreichbar – zuerst WhatsApp, wenige Minuten später Instagram und Facebook; anschließend habe ihm die Kanzlei mitgeteilt, dass alles wieder funktionieren sollte. Das Posting ist laut ORF wieder online.
Eine konkrete Begründung hat Meta in keiner der geprüften Quellen genannt – die Mitteilung verwies nur pauschal auf die Nutzungsbedingungen, öffentlich hat sich der Konzern nicht geäußert. Was die Software ausgelöst hat, ist damit offen; Webers Zuordnung zum Posting bleibt seine Einschätzung. Ob eine solche Mitteilung Art. 17 des Digital Services Act genügt, der von der Plattform unter anderem die Tatsachen und Umstände ihrer Entscheidung verlangt, wäre in einem Verfahren zu klären.
Aus „dauerhaft“ wurden acht Tage
In Metas Mitteilung steht laut Krone wörtlich „Dein Facebook-Konto wird dauerhaft deaktiviert“. Tatsächlich dauerte die Sperre von der Mitteilung am 8. September bis zur Wiederherstellung am Nachmittag des 16. September, also acht Tage. Wer einen laufenden Fall einordnet, sollte die Ansage der Plattform daher als Absicht lesen, auf die sich die Planung für den eigenen Kanal nicht stützen kann.
Über den Einzelfall entscheidet keine Behörde
Nicht der Datenschutz. Die Datenschutzbehörde hält in ihrer Bekanntmachung „Accountsperren auf Online-Plattformen“ fest, dass eine Kontosperre datenschutzrechtlich angreifbar sein kann, ein solches Verfahren aber nur eine Rechtsverletzung feststellen und keine Wiederherstellung des Kontos anordnen kann. Für Beschwerden nach dem Digital Services Act – der EU-Verordnung 2022/2065 über digitale Dienste, die Plattformen Pflichten gegenüber ihren Nutzern auferlegt – sei der nationale Koordinator für digitale Dienste zuständig.
Das ist in Österreich die KommAustria, benannt mit § 2 Abs. 1 des Koordinator-für-digitale-Dienste-Gesetzes (KDD-G), BGBl. I Nr. 182/2023, in Kraft seit 17. Februar 2024; die RTR-GmbH, Fachbereich Medien, unterstützt sie dabei. Die Datenschutzbehörde verweist auf Art. 17 DSA (Begründung einer Sperre), Art. 20 (internes Beschwerdemanagementsystem der Plattform) und Art. 53 (Beschwerde beim Koordinator).
Der Koordinator. Nach Darstellung der RTR führt eine Beschwerde dort zu keiner Entscheidung im eigenen Fall; sie stützt die Aufsicht und damit Verfahren gegen die Plattform. Per Bescheid entscheidet die KommAustria nur über Anbieter in ihrer eigenen Zuständigkeit. Meta ist für die EU in Irland niedergelassen; eine Beschwerde gegen Facebook wird deshalb nach Art. 53 DSA an den irischen Koordinator weitergeleitet, für die Sonderpflichten sehr großer Plattformen ist zusätzlich die EU-Kommission zuständig. Die KommAustria beschreibt ihre Rolle selbst als systemische Aufsicht, die im Einzelfall nicht über Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit einer Sperre abspricht.
Die Streitbeilegung bei der RTR dauert Monate
Wer eine Entscheidung zum eigenen Konto will, kann sich an eine zertifizierte außergerichtliche Streitbeilegungsstelle nach Art. 21 DSA wenden; die RTR ist eine davon. Voraussetzung ist, dass zuvor das interne Beschwerdemanagement der Plattform durchlaufen wurde; der Antrag ist laut Verfahrensrichtlinie innerhalb von sechs Monaten nach dessen Entscheidung möglich. Für Nutzer ist das Verfahren kostenlos, die Plattform muss sich darauf einlassen, das Ergebnis ist für sie aber nicht bindend. Die Frist beträgt höchstens 90 Tage und kann in besonders komplexen Fällen einmal um bis zu 90 Tage verlängert werden. Der Jahresbericht der RTR-Streitbeilegungsstelle für 2025 weist 922 Anträge aus, die unter Art. 21 DSA fielen.
Einen ausgefallenen Kanal ersetzt dieser Weg nicht. Verbindlich über die Wiederherstellung eines Kontos entscheiden kann nur ein Gericht. Weber hat laut ORF und Gemeindebund über seinen Anwalt Dieter Neger eine Beschwerde bei der RTR eingebracht; Klage und Vorläufige gerichtliche Anordnung, die rasch ergeht und einen Zustand bis zur endgültigen Entscheidung sichert. wurden laut ORF überlegt – zu einem Zeitpunkt, an dem die Gemeinde ihre Bevölkerung längst anders erreichen musste.
Vor dem nächsten Kanal stehen sechs Fragen
- Wer hat Administratorrechte für die Gemeinde-, Pfarr- oder Vereinsseite – und wer zweitens, über ein anderes Privatkonto, damit die Seite eine Sperre überlebt?
- Wer verwaltet den Nachrichtenkanal, und läuft er über eine Dienstnummer oder über ein privates Handy, das mit der Person geht?
- Wer kommt an die Zugangsdaten, wenn die zuständige Person im Urlaub, im Krankenstand oder aus dem Amt ist?
- Welche Adressen liegen außerhalb der Plattformen – Website, E-Mail-Verteiler, Gemeindezeitung, SMS-Liste – und wann wurden sie zuletzt aktualisiert?
- Was steht im ersten Satz, wenn der Hauptkanal ausfällt, und wo ist dieser Satz hinterlegt?
- Wer trennt die politische Äußerung vom amtlichen Kanal, und ist diese Trennung technisch abgebildet oder nur gedacht?
Der Fall zeigt ein allgemeines Risiko
Weber selbst sieht seine Meinungsfreiheit eingeschränkt, das ist seine Lesart. Für die Gemeindekommunikation war Tieschen vor allem ein Betriebsausfall. Das Konto war acht Tage weg, und weder für die Sperre noch für die Rückgabe gab es eine konkrete Begründung. Wer amtliche Information über ein Privatkonto verteilt, schafft mit jedem weiteren Kanal am selben Konto nur eine weitere Abhängigkeit.
Häufige Fragen
Warum sollte ein Gemeindekanal nicht an einem Privatkonto hängen?
Wird das Privatkonto gesperrt, fällt die Seite mit, wenn niemand sonst Administratorrechte für sie hat. In Tieschen war nach Angaben des Bürgermeisters auch die Seite der Marktgemeinde betroffen.
Wie lange dauerte die Sperre in Tieschen?
Meta kündigte eine dauerhafte Deaktivierung an. Tatsächlich waren die Konten von 8. bis 16. September gesperrt, also acht Tage.
Kann die RTR ein gesperrtes Konto wiederherstellen?
Nein. Die Streitbeilegung nach Art. 21 DSA ist kostenlos, dauert aber bis zu 90 Tage und ist für die Plattform nicht bindend. Verbindlich entscheiden kann nur ein Gericht.
Wie sichert man einen Gemeinde- oder Vereinskanal ab?
Mit mindestens zwei Personen mit Administratorrechten über verschiedene Privatkonten und einem Nachrichtenkanal über eine Dienstnummer. Dazu kommen Adressen außerhalb der Plattformen – Website, E-Mail-Verteiler, SMS-Liste –, die regelmäßig aktualisiert werden.
Quellen
Das Datum 7. September für das Posting ist aus den relativen Zeitangaben der Meldungen erschlossen („am Montag vergangener Woche“, „am Montag“); das Datum der Sperre aus „einen Tag später“ und „seit Dienstag“; die Uhrzeiten nennt die Kronen Zeitung laut Heute. Der Ablauf des Falls beruht auf den Angaben Martin Webers und ist nicht unabhängig überprüft – das gilt besonders für die Sperre der Gemeindeseite, die nur der Gemeindebund wiedergibt, und für die Zuordnung der Sperre zu einer KI-basierten Software. Die Zeitangaben zum Einspruch weichen zwischen ORF (rund eine Stunde) und Krone (Sperre 9.32 Uhr, Ablehnung 11.17 Uhr) ab. Zur RTR-Beschwerde meldete die Krone am 14. September noch eine Vorbereitung, ORF und Gemeindebund eine Einbringung. Meta hat sich in den geprüften Quellen zu den Gründen nicht geäußert. Ob die Seite der Marktgemeinde mit Webers Konten zurückkam und in welches RTR-Verfahren seine Beschwerde eingebracht wurde, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Dieser Beitrag beschreibt die kommunikative Seite und ist keine Rechtsberatung.
- ORF Steiermark, „Bürgermeister auf Facebook & Co. gesperrt“, 14. September 2026 (öffnet in neuem Tab)
- ORF Steiermark, „Bürgermeister hat wieder Zugang zu Social-Media“, 16. September 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Österreichischer Gemeindebund, Eva Schubert, „Bürgermeister nach Posting auf allen Plattformen gesperrt“, 16. September 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Heute.at, André Wilding (mit Angaben der Kronen Zeitung), „SPÖ-Bürgermeister auf allen Plattformen gesperrt“, 14. September 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Datenschutzbehörde, Bekanntmachung „Accountsperren auf Online-Plattformen“ (öffnet in neuem Tab)
- RTR-Beschwerdestelle (abgerufen 17. September 2026) (öffnet in neuem Tab)
- RTR, Streitbeilegungsstellen nach Art. 21 DSA (abgerufen 17. September 2026) (öffnet in neuem Tab)
- RTR, Verfahrensrichtlinien der Beschwerdestelle (öffnet in neuem Tab)
- RTR, Jahresbericht 2025 der außergerichtlichen Streitbeilegungsstelle (PDF) (öffnet in neuem Tab)
- RTR, Rechtsaufsicht über Plattformen (öffnet in neuem Tab)
- Verordnung (EU) 2022/2065 über einen Binnenmarkt für digitale Dienste (Digital Services Act) (öffnet in neuem Tab)
- Koordinator-für-digitale-Dienste-Gesetz (KDD-G), BGBl. I Nr. 182/2023, § 2 (PDF) (öffnet in neuem Tab)
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