Wenn die Redaktion mit KI recherchiert, zählt Ihre Primärquelle
Norbert Oberndorfer··6 Min. Lesezeit
Sie verschicken eine Aussendung, und nichts passiert. Was sich gerade ändert, ist nicht die Zahl der Empfänger, sondern der Prüfweg dahinter.

Ihre Presseinformation wird künftig häufiger von jemandem gelesen, der parallel ein KI-System offen hat. Das verändert nicht, was eine Nachricht ist, aber sehr wohl, was eine Aussendung leisten muss.
OpenAI stattet zwei US-Journalistenschulen aus
Am 8. September 2026 hat OpenAI eine Ausweitung seiner Journalismus-Programme bekanntgegeben. Für das Studienjahr 2026/27 stellt das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 400 Zugänge zu ChatGPT Edu bereit, also zur Hochschulvariante mit eigenen Datenschutz- und Verwaltungseinstellungen, deren Eingaben laut Anbieter nicht ins Modelltraining einfließen. Empfänger sind Studierende in Graduiertenprogrammen und Lehrende an der Newmark J-School der City University of New York und der Medill School der Northwestern University.
Als Hinweis auf die Richtung taugt das – als Aussage über österreichische Redaktionen nicht. Angekündigt wurde ein Ausbildungsprogramm an zwei Hochschulen, kein Werkzeug für Newsrooms hierzulande.
Daneben verweist OpenAI auf bestehende Programme: Die mehr als 50 Redaktionen im Portfolio des American Journalism Project sollen laut Unternehmen die Möglichkeit erhalten, Enterprise-Zugänge und Guthaben für die Schnittstelle zu nutzen. Dazu kommt eine seit 2024 gemeinsam mit dem Verlegerverband WAN-IFRA betriebene Fortbildung, die nach Angaben des Unternehmens bisher über 165 Redaktionen erreicht hat.
Für Österreich sind andere Zahlen belastbar
Der Digital News Report 2026, für Österreich erhoben vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, weist rund sechs Prozent der Befragten aus, die zumindest wöchentlich KI-gestützte Systeme für Nachrichten nutzen. Weniger als ein Prozent nennt sie als wichtigste Nachrichtenquelle. International liegt der Wochenwert bei zehn Prozent, nach sieben Prozent im Jahr davor.
Das ist Publikumsnutzung und sagt nichts über den Einsatz in den Redaktionen selbst. Für die Pressearbeit ist es trotzdem die nüchternere Bezugsgröße als jede Ankündigung eines Anbieters.
Sieben Punkte machen eine Aussendung überprüfbar
Wer eine Angabe schnell prüfen will, sucht die Primärquelle. Alles, was diese Suche verkürzt, erhöht die Chance, dass Ihre Zahl im fertigen Text steht.
- Jede Zahl mit Bezugsgröße und Stichtag, nicht als Prozentwert ohne Basis
- Ort, Datum und Funktion jeder genannten Person im Fließtext, nicht nur im Briefkopf
- Zitate eindeutig zugeordnet, mit vollem Namen und Funktion
- Daten als Tabelle oder Liste statt in einen Absatz eingebaut
- eine dauerhafte Adresse für die Primärquelle: Studie, Beschluss oder Bescheid im Volltext im eigenen Presseraum
- PDFs mit auslesbarem Text, nicht als eingescanntes Bild
- eine Ansprechperson mit Durchwahl, die am selben Tag erreichbar ist
Auffindbarkeit ersetzt keine Nachricht
Nichts davon macht aus einer belanglosen Meldung eine Geschichte. Die Auswahl bleibt redaktionell, und sie wird strenger, je mehr Material auf denselben Schreibtisch fällt.
Verändert hat sich die Stelle, an der eine Aussendung durchfällt. Früher scheiterte sie an der Betreffzeile, heute zusätzlich an der fehlenden Fundstelle: Wer eine Behauptung nicht in einer Minute belegen kann, streicht den Absatz.
Für Ihre Pressestelle heißt das keine neue Technik, sondern alte Sorgfalt an einer neuen Stelle: belegen, benennen, verlinken.
Quellen
Mitteilung von OpenAI vom 8. September 2026 zur Ausweitung der Journalismus-Programme, einschließlich der Angaben zu mehr als 400 ChatGPT-Edu-Zugängen an der Newmark J-School (CUNY) und der Medill School (Northwestern) sowie zu den Programmen mit dem American Journalism Project und WAN-IFRA; diese Angaben stammen vom Unternehmen. Nutzungszahlen für Österreich aus dem Digital News Report 2026 (Länderbericht Universität Salzburg für das Reuters Institute), wiedergegeben bei keymedia. Der Beitrag bewertet nicht die Programme, sondern deren Folgen für die Pressearbeit.
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