Wenn die Redaktion mit KI recherchiert, zählt die Primärquelle
Wer eine Aussendung verschickt, rechnet mit einem Menschen, der sie liest und im Zweifel anruft. Seit OpenAI am 8. September 2026 seine Journalismus-Programme ausgeweitet hat, wird die Frage lauter, ob künftig eine Maschine mitprüft – für Österreich lässt sie sich bisher nur zum Teil beantworten.

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Kurz gefasst
- OpenAI hat am 8. September 2026 angekündigt, im Studienjahr 2026/27 mehr als 400 Zugänge zu ChatGPT Edu an zwei US-Journalistenschulen zu vergeben, über österreichische Redaktionen sagt das nichts.
- Die APA regelt den KI-Einsatz samt Recherche in einer eigenen Leitlinie, und laut Digital News Report Austria 2026 nutzen rund 6,2 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche KI für Nachrichten oder Informationen.
- Was die Suche nach der Primärquelle verkürzt, erhöht die Chance auf Abdruck, deshalb gehören zu jeder Zahl Bezugsgröße und Stichtag und die Primärquelle unter eine dauerhafte Adresse im eigenen Presseraum.
Eine Pressestelle verschickt eine Aussendung, und nichts passiert. Oft bleibt offen, ob es an der Nachricht lag oder daran, dass sich eine Angabe nicht schnell genug belegen ließ.
OpenAI rüstet zwei US-Journalistenschulen aus
Am 8. September 2026 hat OpenAI angekündigt, im Studienjahr 2026/27 mehr als 400 Zugänge zu ChatGPT Edu zu vergeben. Die Zugänge gehen an Studenten und Dozenten der Newmark J-School der City University of New York und der Medill School der Northwestern University. ChatGPT Edu ist die Hochschulvariante mit eigenen Datenschutz- und Verwaltungseinstellungen. Eingaben fließen laut Anbieter nicht ins Lernvorgang, bei dem eine KI aus großen Datenmengen ihr Verhalten ableitet, eingegebene Texte können dabei als Lernmaterial dienen.. Daneben verweist das Unternehmen auf bestehende Programme. Dazu gehört eine seit 2024 mit dem Weltverlegerverband WAN-IFRA betriebene Fortbildung, die nach eigenen Angaben über 165 Redaktionen erreicht habe. Das zeigt eine Richtung, über österreichische Redaktionen sagt es nichts.
Österreichische Redaktionen arbeiten mit eigenen Leitlinien
Die Austria Presse Agentur hat sich eine interne Leitlinie für den Einsatz von KI gegeben, die ausdrücklich auch die Nutzung zu Recherchezwecken regelt. Die Erstfassung stammt aus dem Jahr 2022, die aktuell veröffentlichte Fassung vom Juli 2023. Bei der Erstellung von Inhalten ist nach Angaben der APA verpflichtend vorgesehen, dass am Ende ein Mensch prüft und entscheidet. Als Beleg dafür, dass KI im österreichischen Redaktionsalltag angekommen ist, taugt das – als Beleg dafür, dass Aussendungen maschinell gegengeprüft werden, nicht.
Das Publikum nutzt KI noch selten für Nachrichten
Für den Digital News Report 2026 hat der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg vom 9. Jänner bis 4. Februar 2.025 Personen ab 18 Jahren online befragt. Rund 6,2 Prozent geben an, mindestens einmal pro Woche KI-gestützte Systeme für Nachrichten- oder Informationszwecke zu nutzen. Weniger als ein Prozent nennt KI als wichtigste Nachrichtenquelle. International liegt der Wochenwert bei zehn Prozent, nach sieben Prozent im Jahr davor.
Das ist Publikumsnutzung und sagt nichts über den Einsatz in Redaktionen. Für die Pressearbeit ist es trotzdem die nüchternere Bezugsgröße als jede Ankündigung eines Anbieters.
Wer eine Angabe schnell prüfen will, sucht die Das ursprüngliche Dokument, aus dem eine Angabe stammt, etwa die Studie selbst statt eines Berichts darüber. – mit oder ohne KI. Alles, was diese Suche verkürzt, erhöht die Chance, dass die Zahl im fertigen Text steht. Drei der sieben Punkte, die Tabelle, die dauerhafte Adresse und das auslesbare PDF, helfen vor allem beim maschinellen Auslesen. Die übrigen vier sind klassisches Handwerk.
Sieben Punkte machen eine Aussendung überprüfbar
- Jede Zahl mit Bezugsgröße und Stichtag
- Ort, Datum und Funktion jeder genannten Person im Fließtext, nicht nur im Briefkopf
- Zitate eindeutig zugeordnet, mit vollem Namen und Funktion
- Daten als Tabelle oder Liste
- eine dauerhafte Adresse für die Primärquelle, also Studie, Beschluss oder Bescheid im Volltext im eigenen Presseraum
- PDFs mit auslesbarem Text, nicht als eingescanntes Bild
- eine Ansprechperson mit Durchwahl, die am selben Tag erreichbar ist
Auffindbarkeit ersetzt keine Nachricht
Nichts davon macht aus einer belanglosen Meldung eine Geschichte. Die Auswahl bleibt redaktionell, und sie wird strenger, je mehr Material auf denselben Schreibtisch fällt.
Verändert hat sich die Stelle, an der eine Aussendung durchfällt. Früher scheiterte sie an der Betreffzeile, heute zusätzlich an der fehlenden Fundstelle. Wer eine Behauptung nicht in einer Minute belegen kann, streicht den Absatz.
Pressestellen brauchen dafür keine neue Technik. Sie müssen jede Angabe belegen und die Quelle verlinken.
Peak Consulting prüft Aussendungen und Presseräume darauf, ob sich jede Angabe rasch belegen lässt.
Häufige Fragen
Prüfen österreichische Redaktionen Aussendungen mit KI?
Belegt ist das nicht. Die APA hat eine KI-Leitlinie, die auch die Recherche regelt und bei der Erstellung von Inhalten eine abschließende Prüfung durch einen Menschen vorsieht.
Wie viele Menschen in Österreich nutzen KI für Nachrichten?
Laut Digital News Report Austria 2026 rund 6,2 Prozent mindestens einmal pro Woche. Weniger als ein Prozent nennt KI als wichtigste Nachrichtenquelle, international liegt der Wochenwert bei zehn Prozent.
Was macht eine Aussendung überprüfbar?
Zahlen mit Bezugsgröße und Stichtag, Ort, Datum und Funktion im Fließtext, eindeutig zugeordnete Zitate, Daten als Tabelle, eine dauerhafte Adresse für die Primärquelle, auslesbare PDFs und eine am selben Tag erreichbare Ansprechperson mit Durchwahl.
Quellen
OpenAI, „OpenAI expands initiatives to support journalism from classrooms to newsrooms“, 8. September 2026. Alle Angaben zu Zugängen und Programmen stammen vom Unternehmen selbst und sind nicht unabhängig überprüft. Digital News Report Austria 2026 von Gadringer, Holzapfel, Sparviero und Trappel, Fachbereich Kommunikationswissenschaft, Universität Salzburg, 16. Juni 2026. Es handelt sich um eine Quotenstichprobe der Online-Bevölkerung ab 18 Jahren mit n = 2.025. Digital News Report 2026 des Reuters Institute, 16. Juni 2026 (internationaler Wert). Leitlinie der APA zum Umgang mit künstlicher Intelligenz, Stand Juli 2023. Der Beitrag beschreibt die kommunikative Seite und ist keine Rechtsberatung.
Zur Entstehung: Für Recherche und Faktencheck nutze ich KI. Jede Angabe prüfe ich an der Quelle, und jeder Satz geht erst nach meiner Freigabe online. Ist Ihnen ein Fehler aufgefallen, schreiben Sie mir an office@peakconsulting.at.
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