Mit der neuen Copilot-Lizenz kommt die Verbrauchsrechnung gleich mit
Norbert Oberndorfer··5 Min. Lesezeit
Bisher mussten Organisationen die Abrechnung nach Verbrauch selbst einrichten, bevor ein Copilot-Agent auf Rechnung arbeiten konnte. Ab 19. Oktober 2026 richtet Microsoft sie bei neuen Käufen von Microsoft 365 Copilot Business automatisch mit ein, beim Kauf über Partner ab 2. November.

Die Geschäftsführung eines Betriebs bestellt im Oktober Copilot-Lizenzen für das Büro, der IT-Dienstleister richtet sie ein. Was danach zusätzlich kostet und ob ein Förderantrag für das Gesamtvorhaben noch möglich ist, entscheidet die Reihenfolge der nächsten Schritte.
Die Lizenz bleibt gleich – dazu kommt ein Konto für den Verbrauch
Laut der Microsoft-Meldung MC1476200 vom 21. September 2026 wird bei berechtigten Neukäufen von Copilot Business die Abrechnung nach Verbrauch standardmäßig eingerichtet. Die Änderung betrifft nur neue Käufe: Bestehende Abos und ihre Zahlungsbedingungen bleiben laut Microsoft unverändert, und Kosten entstünden nur, wenn verbrauchsabhängige Funktionen tatsächlich genutzt werden.
Pay-as-you-go. So nennt Microsoft die Abrechnung nach tatsächlichem Verbrauch über ein Azure-Abonnement, also ein Verrechnungskonto in Microsofts Cloud. Gezählt wird in Copilot Credits, einer gemeinsamen Verrechnungseinheit für alle betroffenen Dienste; im Pay-as-you-go-Modell kostet ein Credit laut Microsoft einen US-Cent. Für eine Aufgabe in Cowork, Microsofts Agent für länger laufende, eigenständig erledigte Arbeit, schätzt Microsoft rund 100 bis 300 Credits bei leichter, 300 bis 700 bei mittlerer und mehr als 700 bei aufwendiger Arbeit. Das wären rund 1 bis 3 US-Dollar, 3 bis 7 und über 7 US-Dollar je Aufgabe – zur Orientierung reicht das, für ein Budget nicht: Microsoft hat die Schätzwerte seit Juni bereits einmal geändert.
Ausgabenrichtlinie. Damit legt die Administration im Microsoft-365-Admin-Center fest, wer welche Dienste nutzen darf und wie viele Credits im Monat verbraucht werden dürfen. Laut Meldung legt Microsoft beim Neukauf die nötigen Azure-Ressourcen selbst an und setzt eine Ausgabenrichtlinie mit Standardlimits. Wie hoch diese Limits sind, nennt Microsoft nicht. Die Standardeinrichtung gilt laut Microsofts Admin-Anleitung für die gesamte Organisation, ein Limit je Person ist optional. Wer bereits eine Richtlinie hat, behält sie.
Was abgerechnet wird. Laut Microsoft laufen derzeit Cowork, in Cowork gebaute Apps und die Schnittstelle Work IQ, über die Agenten Daten aus Microsoft 365 abfragen, über diese Abrechnung. Am 25. September hat Microsoft angekündigt, auch Code, Autopilot, neue Agentenfunktionen in SharePoint und neuere Frontier-Modelle über Copilot Credits abzurechnen. Was die Lizenz bisher enthielt, bleibt laut Meldung enthalten.
Neue Dienste kommen automatisch dazu, wenn niemand den Schalter umlegt
Ausgabenrichtlinien gelten laut Microsoft automatisch auch für künftige Dienste und Agenten, weil die Einstellung „Auto-apply new services“ seit einem Update im September bei allen Richtlinien standardmäßig eingeschaltet ist (Meldung MC1470425). Die Administration kann sie abschalten, wenn neue Dienste vorher geprüft werden sollen.
Was das bedeutet. Die Richtlinie, die Microsoft beim Kauf anlegt, deckt auch Dienste ab, die gerade erst angekündigt sind. Als Startpunkt taugt sie – als Kostenrahmen nicht, solange niemand Limit und Geltungsbereich bewusst festgelegt hat.
Abschalten. Wer die Abrechnung nach Verbrauch deaktiviert, sperrt laut Microsoft den Zugang zu allen Funktionen, die sie voraussetzen. Die Lizenz selbst bleibt nutzbar.
Für Betriebe in Niederösterreich kommt vor dem Kauf der Förderantrag
Wer Copilot in Niederösterreich mit Landesgeld finanzieren will, muss laut Programmdokument von digi4wirtschaft den Antrag stellen, bevor mit dem Vorhaben begonnen wird, ausdrücklich auch vor der ersten rechtsverbindlichen Bestellung. Gefördert werden höchstens 20 Prozent der förderbaren Kosten, maximal 25.000 Euro, bei mindestens 5.000 Euro Projektkosten. Antragsberechtigt sind gewerbliche Unternehmen mit Gewerbeberechtigung, die seit mindestens zwei Jahren in Niederösterreich tätig sind; gemeinnützige Organisationen sind es nicht. Gefördert werden nur Datenprojekte: Lizenzen und Abos zählen für 36 Monate, wenn sie in Abläufe eingebunden sind – als Einzellösung, das Programmdokument nennt Sprachmodelle ausdrücklich, sind sie ausgeschlossen. Ob verbrauchsabhängige Kosten wie Copilot Credits dazuzählen, regelt das Programmdokument nicht. Über die Förderfähigkeit entscheidet eine Fachjury; Anträge sind bis 31. Dezember 2026 möglich oder bis das Budget ausgeschöpft ist. Was förderbar ist und wer einreichen darf, steht im Beitrag „Das KI-Abo allein fördert das Land nicht“.
Fünf Schritte in dieser Reihenfolge
- Prozess beschreiben: auf einer Seite festhalten, welche Arbeit Copilot oder ein Agent übernehmen soll, wer damit arbeitet und was vorher und nachher anders ist.
- Förderung klären: in Niederösterreich Angebote einholen, aber nicht bestellen, und den digi4wirtschaft-Antrag stellen, bevor ein Auftrag an den IT-Dienstleister geht. Einen Überblick gibt das kostenlose Online-Webinar der Technologie- und InnovationsPartner am 21. Oktober um 10 Uhr.
- Bestellen: beim Kauf über einen Partner schriftlich nachfragen, ob die Abrechnung nach Verbrauch eingerichtet wird und mit welchen Limits.
- Richtlinie setzen: am ersten Tag im Admin-Center unter Copilot > Cost Management die angelegte Ausgabenrichtlinie prüfen, ein monatliches Credit-Limit für die Organisation und je Person setzen und „Auto-apply new services“ abschalten, bis neue Dienste geprüft sind.
- Testgruppe: verbrauchsabhängige Funktionen zuerst für wenige Personen freigeben und den Verbrauch nach der ersten Woche gemeinsam mit dem IT-Dienstleister ansehen.
Die Lizenz kauft den Zugang – was ein Agent im Monat kostet, entscheidet die Richtlinie. Wer zuerst beschreibt, dann beantragt und erst danach bestellt, hat Kostenrahmen und Förderunterlage aus demselben Blatt Papier.
Häufige Fragen
Was ändert sich ab 19. Oktober 2026 bei Copilot Business?
Bei neuen Käufen von Microsoft 365 Copilot Business direkt bei Microsoft wird laut Meldung MC1476200 die Abrechnung nach Verbrauch standardmäßig eingerichtet, beim Kauf über Partner ab 2. November. Microsoft legt dafür die nötigen Azure-Ressourcen und eine Ausgabenrichtlinie mit Standardlimits an.
Gilt die Änderung auch für bestehende Copilot-Abos?
Nein, laut Microsoft bleiben bestehende Abos und ihre Zahlungsbedingungen unverändert. Eine bereits vorhandene Ausgabenrichtlinie bleibt bestehen.
Wie lassen sich die Kosten begrenzen?
Im Microsoft-365-Admin-Center unter Copilot > Cost Management lassen sich monatliche Credit-Limits für die Organisation und einzelne Personen setzen. Die Einstellung „Auto-apply new services“ ist laut Microsoft standardmäßig aktiv und kann abgeschaltet werden, damit neue Dienste erst nach Prüfung unter die Richtlinie fallen.
Was ist bei der Förderung digi4wirtschaft zu beachten?
Laut Programmdokument muss der Antrag vor der ersten rechtsverbindlichen Bestellung gestellt werden; Lizenzen und Abos für Sprachmodelle ohne Einbindung in Abläufe sind nicht förderbar. Antragsberechtigt sind gewerbliche Unternehmen mit Gewerbeberechtigung in Niederösterreich, gemeinnützige Organisationen nicht. Ob ein Vorhaben förderfähig ist, entscheidet eine Fachjury.
Quellen
Stand: 8. Oktober 2026. Die Meldungen MC1476200 und MC1470425 sind im Microsoft-365-Nachrichtencenter nur für Administratoren sichtbar; zitiert nach den Wiedergaben auf pupuweb.com und mc.merill.net. Preis je Copilot Credit und Credit-Schätzwerte je Cowork-Aufgabe nach Microsoft; die Schätzwerte hat Microsoft seit Juni einmal geändert, die Umrechnung in US-Dollar ist eine eigene Berechnung, nicht amtlich. Standardeinstellungen der Ausgabenrichtlinie und künftig abgerechnete Dienste nach Microsoft Learn. Angaben zu digi4wirtschaft nach dem Programmdokument Version 1.05 des Landes Niederösterreich, zum Webinar nach der Ankündigung der WKNÖ. Der Beitrag ersetzt weder Lizenz- noch Förderberatung. Korrigiert am 8. Oktober 2026: Credit-Schätzwerte je Cowork-Aufgabe auf Microsofts aktuelle Angaben gebracht, Preis je Credit nach Microsoft statt nach Sekundärquellen, Angaben zu Antragsberechtigung und förderbaren Lizenzen bei digi4wirtschaft präzisiert.
- Microsoft: MC1476200 „Simplifying AI access: Introducing usage-based billing“, 21. September 2026 (Wiedergabe pupuweb.com)
- Microsoft: MC1470425 „Microsoft Copilot Cost Management: September Updates“, 10. September 2026 (Wiedergabe mc.merill.net)
- Microsoft 365 Blog: „Copilot Cowork is now generally available“, 16. Juni 2026
- Microsoft: Copilot Credits licensing guidance, abgerufen 8. Oktober 2026
- Microsoft Learn: Understanding the user subscription license (USL) and usage-based billing (UBB), 25. September 2026
- Microsoft Learn: Managing AI experiences enabled by usage-based billing, abgerufen 8. Oktober 2026
- Land NÖ: Programmdokument digi4Wirtschaft, Version 1.05 (PDF)
- Land NÖ: Neuauflage „digi4wirtschaft“, Presseaussendung 29. September 2026
- WKNÖ: Webinar „Impulsprogramm digi4Wirtschaft 2026“, 21. Oktober 2026, 10 Uhr, online
Peak Consulting – Norbert Oberndorfer, Kommunikations- und Unternehmensberater in Bergland, Niederösterreich – begleitet die Einführung von Copilot-Agenten mit Prozessbeschreibung und Kostenrahmen. Diese Unterlagen eignen sich auch als Grundlage für einen Förderantrag; die Förderberatung selbst leisten Land und Wirtschaftskammer.
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