Wer mit KI sucht, klickt seltener auf die Website
Norbert Oberndorfer··4 Min. Lesezeit
Wer eine Website betreibt, rechnet damit, dass Suchende über Google auf die Seite kommen. Laut einer Studie von WPP Media Österreich vom 6. Oktober 2026 nennen nur noch 46 Prozent der Befragten Google als wichtigste Informationsquelle, nach 59 Prozent im Vorjahr.
Für Gemeinden, Betriebe und Vereine ändert sich damit die Stelle, an der eine Anfrage endet. Immer öfter liest der Suchende die Antwort direkt in einem Chatbot, also einem Programm wie ChatGPT, das Fragen in ganzen Sätzen beantwortet – und öffnet die Website gar nicht mehr.
Die Studie stammt von einer Mediaagentur
Erhebung. Laut dem Fachmedium Medienmanager hat WPP Media im Juli 2026 1.032 Personen zwischen 18 und 65 Jahren online befragt. Die Vorjahreswerte stammen aus 1.348 Interviews mit 15- bis 59-Jährigen. Der Bericht bezeichnet sie deshalb selbst als nicht unmittelbar vergleichbar.
Absender. WPP Media plant als Mediaagentur Werbebudgets für Unternehmen und leitet aus der Studie Empfehlungen für sie ab. Unabhängig überprüft sind die Zahlen nicht. Bei manchen Werten geht aus den Berichten auch nicht hervor, ob sie sich auf alle Befragten beziehen oder nur auf jene, die KI nutzen. Als Richtungsanzeige taugt die Studie – als genaue Messung nicht.
Nach einer KI-Antwort klicken weniger Menschen auf einen Link
Klicks. Nach einer Google-Suche klicken laut der Studie 39 Prozent auf einen Link. Nach der Antwort eines Chatbots sind es 21 Prozent, 43 Prozent stellen stattdessen eine Folgefrage. WPP-Media-Geschäftsführer Andreas Vretscha sagt, die Suche liefere statt einer Liste von Seiten nun zugeschnittene Antworten auf Fragen.
Nutzung. Google bleibt die häufigste erste Anlaufstelle: Neben den 46 Prozent, die Google nennen, nutzen laut der Studie 30 Prozent Google und Chatbots etwa gleich oft, 17 Prozent in erster Linie KI. 54 Prozent der KI-Nutzer verwenden Suchmaschinen nach eigenen Angaben seltener als früher. 43 Prozent der KI-Nutzer verwenden einen Chatbot mindestens täglich, 2025 waren es 35 Prozent. Bei den 18- bis 29-Jährigen setzen 23 Prozent in erster Linie auf KI.
Für die eigene Website heißt das: Sie wird seltener besucht. Gelesen wird sie trotzdem – vom Chatbot, der aus ihr die Antwort zusammenstellt.
Wer nachprüft, landet bei der Originalangabe
Nachprüfen. 61 Prozent überprüfen KI-Antworten laut der Studie immer oder meistens, 2025 waren es 56 Prozent. Geprüft wird dort, wo eine Angabe ursprünglich steht: auf der Website der Gemeinde, des Betriebs oder des Vereins. Dieser Klick bleibt – und er führt zur Originalquelle.
Redaktionen. Dasselbe gilt für Journalistinnen und Journalisten, die mit KI recherchieren. Sie suchen am Ende die Primärquelle, also das Originaldokument. Eine Kundmachung, die nur als eingescanntes PDF online steht, finden weder sie noch ein Chatbot zuverlässig.
Vier Punkte machen eine Website zitierfähig
- Die Antwort steht ganz oben: Öffnungszeiten, Fristen und Zuständigkeiten stehen als Text auf der Seite, nicht nur als Bild oder eingescanntes Dokument.
- Jede Angabe hat ein Datum und einen Absender: „Seit 1. Oktober nimmt das Gemeindeamt Anträge auch online an“ lässt sich zitieren, „ab sofort“ nicht.
- Überall steht dasselbe: Website, Google-Unternehmensprofil, Gemeindezeitung und Facebook-Seite nennen dieselbe Telefonnummer und dieselben Zeiten. Widersprechen sich die Angaben, wählt der Chatbot eine davon aus – nicht der Absender. Auch WPP Media zählt einheitliche Aussagen und belastbare Quellen zu dem, was an Bedeutung gewinnt.
- Jede Seite beantwortet eine Frage: Eine Seite „Aktuelles“ mit zwanzig Meldungen beantwortet keine. Eine Seite „Sperrmüll: Termine und Anmeldung“ beantwortet genau eine.
Die Website bleibt die Quelle
Die Suche verschwindet nicht, sie endet nur seltener auf der Website. Die Seite wird dafür öfter zur Fundstelle einer Antwort, die anderswo gelesen wird. Wer eine Angabe klar, mit Datum und überall gleich veröffentlicht, wird in der Antwort richtig wiedergegeben und beim Nachprüfen gefunden.
Häufige Fragen
Suchen Menschen in Österreich schon mehr mit KI als mit Google?
Nein, Google bleibt die häufigste Quelle, verliert aber an Gewicht. Laut WPP Media nennen 46 Prozent der Befragten Google als wichtigste Informationsquelle, 2025 waren es 59 Prozent. Die Vorjahresbefragung umfasste eine andere Altersgruppe, der Vergleich zeigt daher eine Tendenz.
Wie oft klicken Nutzer nach einer KI-Antwort noch auf eine Website?
Laut der Studie klicken nach der Antwort eines Chatbots 21 Prozent auf einen Link, nach einer Google-Suche 39 Prozent. 43 Prozent stellen nach der KI-Antwort eine Folgefrage.
Prüfen Nutzer nach, was ein Chatbot antwortet?
Laut der Studie überprüfen 61 Prozent KI-Antworten immer oder meistens, 2025 waren es 56 Prozent. Geprüft wird dort, wo die Angabe ursprünglich steht – meist auf der Website des Absenders.
Was macht eine Website für KI-Antworten zitierfähig?
Die Antwort steht als Text ganz oben, jede Angabe hat ein Datum und einen Absender, und auf allen Kanälen steht dasselbe. Jede Seite beantwortet eine konkrete Frage.
Quellen
Stand: 7. Oktober 2026. Die Zahlen stammen aus der Studie „Suchverhalten im Wandel 2026“ von WPP Media Österreich. Die Studie selbst lag nicht vor; die Angaben folgen den Berichten der unten genannten Fachmedien, die Angaben zur Methode (Online-Befragung im Juli 2026, 1.032 Personen von 18 bis 65 Jahren; Vergleichswerte 2025 aus 1.348 Interviews mit 15- bis 59-Jährigen) dem Bericht in Medienmanager. Es handelt sich um Angaben der Agentur, die nicht unabhängig überprüft sind. Wegen der unterschiedlichen Altersgruppen sind die Vorjahresvergleiche nur eingeschränkt aussagekräftig.
- Internet World Austria: WPP Media-Studie: Google verliert an Bedeutung, KI verändert die Suche nachhaltig (6.10.2026)
- Medienmanager: KI verändert Suchverhalten: Google verliert an Bedeutung (6.10.2026)
- medianet: KI verändert die Suche: Google verliert an Bedeutung (6.10.2026)
- HORIZONT Österreich: Suchverhalten 2026: Österreicher suchen immer mehr mit KI statt mit Google (6.10.2026, kostenpflichtig)
Peak Consulting – Norbert Oberndorfer, Journalist und Kommunikationsberater in Bergland, Niederösterreich – prüft für Gemeinden, Betriebe und Vereine, welche Angaben auf ihrer Website eine KI-Antwort tragen können und wo sie einander widersprechen. Sie erhalten eine Liste der Seiten, die zuerst überarbeitet werden sollten.
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