Die Medienhäuser suchen den Ursprung – Pressestellen können ihn liefern
Norbert Oberndorfer··4 Min. Lesezeit
Wer eine Aussendung verschickt, konkurriert mit Plattformen, KI-Zusammenfassungen und Kopien der eigenen Meldung um dieselbe Aufmerksamkeit. Bei den 33. Österreichischen Medientagen am 23. und 24. September 2026 in Wien haben Medienhäuser beschrieben, worauf sie in dieser Lage setzen – auf den Ursprung einer Information.
Eine Gemeinde beschließt ein Budget, ein Verein feiert ein Jubiläum, ein Betrieb stellt ein. Bis die Meldung bei den Leuten ankommt, ist sie oft schon mehrfach umgeschrieben – von einer Plattform, einer KI oder einer Seite, die sie ohne Quelle übernimmt.
Der Kongress beschließt nichts – er zeigt, worauf die Häuser setzen
Einordnung. Die Österreichischen Medientage sind ein Fachkongress des Manstein-Verlags, der auch das Branchenmedium Horizont herausgibt. Was dort gesagt wird, sind Wortmeldungen auf dem Podium, keine Beschlüsse und keine Zusagen. Dieser Beitrag stützt sich auf Berichte der APA, der Kronen Zeitung, von Leadersnet und Horizont; die Horizont-Berichte stehen hinter einer Bezahlschranke und sind nur im frei lesbaren Anriss ausgewertet. Als Richtungsanzeige taugen die Aussagen – als Ankündigung konkreter Änderungen nicht.
Die Kronen Zeitung will Ursprung liefern, keinen KI-Text
Kennzeichnung. Krone-Geschäftsführer Clemens Schwaiger kündigte laut APA an, den Einsatz von KI im eigenen Haus auszuschildern. Vollständig von KI erzeugte Beiträge auf der Website schloss er laut Leadersnet aus. In Zeiten von Sprachmodellen und kopierten Inhalten sei es wichtig, an Ursprung und Originalinhalt heranzukommen. Regionale Themen blieben relevant, auch wenn viele Diskussionen künftig in einem KI-Chatfenster stattfänden.
Für Pressestellen ist das die wichtigste Aussage des Kongresses – der Ursprung, den Redaktionen suchen, liegt oft beim Gemeindeamt, in der Pfarrkanzlei oder beim Vereinsvorstand.
Der Zweifel an allem schadet mehr als die einzelne Fälschung
Desinformation. Die Digitalexpertin Ingrid Brodnig sah das eigentliche Problem laut APA darin, dass viele Menschen gar nichts mehr glaubten und sich dann an das hielten, was ihre Ansichten bestätigt. Ein großer Teil der Fälschungen lasse sich aber weiterhin überprüfen. Die EU-Regeln für Plattformen seien am Papier streng, bei der Durchsetzung passiere bisher wenig. Die Sicherheitsexpertin Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations, einer europäischen Denkfabrik für Außenpolitik, verlangte von Medien, Lagen zu erklären – „schonungslos, aber ohne Panik“.
Wer darauf wartet, dass Plattformen Fälschungen über die eigene Organisation rasch entfernen, wartet nach dieser Einschätzung lange.
Die Plattformen bleiben, die Branche rückt zusammen
Marktmacht. Der deutsche Medienwissenschaftler Martin Andree warnte laut Kronen Zeitung, große Tech-Konzerne gefährdeten die Medienfreiheit; retten könne die Presse nur die Presse selbst. VÖZ-Präsident Rainer Nowak sah die Gefahr laut demselben Bericht weniger beim ORF als bei den Tech-Konzernen und China. In der abschließenden medienpolitischen Runde mit dem designierten ORF-Generaldirektor Clemens Pig, VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm und Nowak herrschte laut Horizont seltene Einigkeit, zumindest in Grundsatzfragen. Konkrete Maßnahmen lassen sich aus den frei zugänglichen Berichten nicht ablesen.
Vier Punkte machen eine Organisation zur Quelle
Die folgenden Punkte sind eine Ableitung von Peak Consulting, keine Forderung vom Podium. Sie verlangen keine neue Technik, nur Sorgfalt an der richtigen Stelle.
- Das Original liegt beim Absender: Beschluss, Bericht oder Foto mit Datum und Urheber unter einer dauerhaften Adresse im eigenen Presseraum
- Der eigene KI-Einsatz ist offengelegt, bevor eine Redaktion danach fragt – ein Satz unter jedem Text, der mit KI entstanden ist, genügt
- Eine Ansprechperson mit Durchwahl ist am selben Tag erreichbar, auch für die Frage, ob ein kursierendes Bild echt ist
- Der eigene Kanal ist die Referenz, das Plattformprofil nur der Weg dorthin
Wer das Original hat, bestimmt die Kopie mit
Die Medientage haben keine Regel geändert. Verschoben hat sich, was Redaktionen suchen, wenn Kopien und KI-Texte zunehmen: den Beleg, die Person, den Ort. Wer diese drei liefert, bleibt Quelle – auch dann, wenn die Meldung anderswo weitererzählt wird.
Häufige Fragen
Worum ging es bei den Österreichischen Medientagen 2026?
Der Kongress am 23. und 24. September 2026 in Wien drehte sich laut Programm und Presseberichten um KI, Desinformation, die Marktmacht der Plattformen und die Finanzierung von Journalismus. Beschlüsse fallen dort keine – es sind Positionen auf dem Podium.
Kennzeichnen österreichische Medien Inhalte, die mit KI entstanden sind?
Die Kronen Zeitung will das laut Geschäftsführer Clemens Schwaiger tun und vollständig von KI erzeugte Beiträge auf ihrer Website ausschließen. Das ist die Ankündigung eines Hauses, keine Branchenregel.
Wie wird eine Gemeinde oder ein Verein zur Quelle für Redaktionen?
Indem das Original unter einer dauerhaften Adresse beim Absender liegt, der eigene KI-Einsatz offengelegt ist, eine Ansprechperson mit Durchwahl am selben Tag erreichbar ist und der eigene Kanal als Referenz dient, nicht das Plattformprofil.
Quellen
Stand: 25. September 2026. APA: „Österreichische Medientage 2026 – Sicherheitsexpertin Franke: ‚Der Boden bebt‘“, erschienen auf sn.at, 23. September 2026. Leadersnet: „KI und Vertrauen prägten ersten Tag der Österreichischen Medientage“, 24. September 2026. Kronen Zeitung: Bericht zur Krone-Diskussion bei den Medientagen, 23. September 2026. Horizont: „Ingrid Brodnig bei den Medientagen“, 23. September 2026, und „Vom Schlagabtausch zum Schulterschluss“, 24. September 2026, jeweils nur Anriss frei zugänglich. Programmangaben laut medientage.at. Alle Aussagen sind Wortmeldungen auf dem Podium, wiedergegeben nach Presseberichten und nicht unabhängig überprüft. Der Beitrag beschreibt die kommunikative Seite und ist keine Rechtsberatung.
- APA/SN: Sicherheitsexpertin Franke: „Der Boden bebt“ (23.9.2026)
- Leadersnet: KI und Vertrauen prägten ersten Tag (24.9.2026)
- Kronen Zeitung: Bericht zur Krone-Diskussion bei den Medientagen (23.9.2026)
- Horizont: Ingrid Brodnig bei den Medientagen (23.9.2026)
- Horizont: Vom Schlagabtausch zum Schulterschluss (24.9.2026)
- Österreichische Medientage 2026: Programm
Peak Consulting (Norbert Oberndorfer, Bergland, Niederösterreich) prüft mit dem Sichtbarkeits-Check, ob Redaktionen und KI-Systeme bei Ihrer Gemeinde, Ihrem Verein oder Ihrem Betrieb das Original finden – Presseraum, Belege und Ansprechperson inklusive.
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