Die Kopie hat die echte Telefonnummer – was Hotels tun, wenn ihre Website geklont wird
Kopierte Hotel-Websites tauchten bisher als Einzelfälle auf, etwa im März 2026 beim Kärntner Mountain Resort Feuerberg. Am 17. September 2026 meldete die Watchlist Internet eine auffällige Häufung solcher Nachbauten – samt Impressum und Telefonnummer der echten Häuser.

, 5 Minuten

Kurz gefasst
- Am 17. September 2026 meldete die Watchlist Internet eine auffällige Häufung nachgebauter Hotel-Websites, die Fotos, Texte, Impressum und Telefonnummer der echten Häuser übernehmen.
- Buchen lässt sich auf den Kopien nichts, ihr Anfrageformular sammelt aber Reisedaten, Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern, die sich für andere Betrugsmaschen weiterverwenden lassen.
- Verräterisch ist nach Angaben der Watchlist vor allem die erst vor Kurzem registrierte Adresse, während die Originale oft seit vielen Jahren online sind.
- Sobald eine Kopie auftaucht, sichert der Betrieb Screenshots und meldet die Seite, sein Hinweis an die Gäste nennt die echte Adresse und den Absender echter Bestätigungen.
Inhalt
Gäste melden sich beim Hotel und schicken einen Link zu einer Seite, die genauso aussieht wie die eigene, nur unter einer anderen Adresse. So erfahren Betriebe derzeit von ihrem Doppelgänger, berichtet die Watchlist Internet.
Erbeutet werden vorerst Adressdaten
Auf den gefälschten Seiten lässt sich laut Watchlist Internet kein Zimmer buchen. Wer Interesse hat, schickt ein Anfrageformular ab, das An- und Abreisedatum, Vor- und Nachname, E-Mail-Adresse und Telefonnummer abfragt. Ob die Täter später auch Scheinbuchungen versuchen, ist nach Angaben der Watchlist bisher nicht bekannt. Die gesammelten Daten lassen sich aber für jede andere Betrugsmasche weiterverwenden.
Fünf Adressen. Gemeldet wurden laut Watchlist Internet zuletzt dresdnerhuette.de, landhotel-wachau.de, hotel-seetal.de, salzburgerhof-dienten.com und babymio-tirol.com, Letztere ist inzwischen offline. Drei Adressen wurden am 10. September 2026 registriert, zwei am 11. August 2026. Die Watchlist schließt daraus auf dieselben Urheber. Eine der Adressen trägt die Wachau im Namen – die Region liegt in Niederösterreich, die Endung ist deutsch.
Wer nachprüft, landet beim echten Haus
Die Kopien übernehmen laut Watchlist Fotos, Texte, Impressum und Kontaktdaten. Ein vorsichtiger Gast, der die Angaben kontrolliert, findet also keinen Widerspruch. Wer zur Sicherheit anruft, erreicht sogar die Rezeption des Originals.
Damit wird das Personal zur ersten Stelle, an der der Betrug auffällt. Als Frühwarnsystem ist das brauchbar, die Gäste schützt es aber nicht. Wer an der Rezeption oder am Telefon sitzt, braucht deshalb einen Satz, der sofort verfügbar ist, etwa „Die Anfrage ist bei uns nicht eingegangen, die Seite gehört nicht zu uns, wir haben sie gemeldet.“
Fünf Schritte, sobald die Kopie auftaucht
- Beweise sichern. Screenshots mit Adresszeile und Datum, bevor die Seite wieder verschwindet. Sie werden für jede Meldung gebraucht.
- Meldung an Google. Die Watchlist Internet empfiehlt eine Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung. Hat sie Erfolg, verschwindet die Kopie aus den Suchergebnissen, online bleibt sie trotzdem.
- Abuse-Meldung. Sie geht an den Hoster. Den Anbieter, auf dessen Servern die Seite liegt, zeigt eine Whois-Abfrage – eine öffentliche Auskunft darüber, wer eine Domain registriert hat und wo sie betrieben wird.
- Weitere Meldungen. Die Watchlist Internet führt gemeldete Fake-Seiten in ihren Warnlisten, eine Anzeige bei der Polizei dokumentiert den Fall.
- Warnen. Ein kurzer Hinweis auf der eigenen Website, im Google-Unternehmensprofil und in den sozialen Medien, jeweils mit der richtigen Adresse.
Der Hinweis an die Gäste nennt die echte Adresse
Eine Warnung, die nur die gefälschte Adresse nennt, macht sie bekannter – geholfen ist den Gästen erst mit der richtigen. Der Hinweis braucht drei Angaben, nämlich welche Adresse nicht zum Betrieb gehört, dass Anfragen dort nicht ankommen, und unter welcher Adresse und von welchem Absender echte Bestätigungen kommen. Mehr verspricht er nicht. Zusagen wie „Wir fragen nie nach Kartendaten“ stehen nur dort, wo der Betrieb sie auch einhält.
Eine Fassung für Website und Profil lautet so.
Unter der Adresse [falsche Domain] ist derzeit eine Kopie unserer Website online. Sie gehört nicht zu uns, Anfragen über diese Seite erreichen uns nicht. Unsere Website ist ausschließlich [echte Domain], Bestätigungen kommen nur von [E-Mail-Adresse]. Wir haben die Seite gemeldet. Bei Fragen erreichen Sie uns unter [Telefonnummer].
Das Alter der Domain verrät die Kopie
Die Watchlist Internet nennt drei Merkmale, an denen sich die Nachbauten erkennen lassen. Die Adresse ist erst vor Kurzem registriert, die Originale dagegen oft seit vielen Jahren online. Die Seiten wirken lieblos aus dem gebaut, was allerdings erst im direkten Vergleich auffällt. Außerdem brechen viele Texte mitten im Satz ab.
Für den Betrieb ist das Alter der eigenen deshalb ein Argument, das die Kopie nicht nachbauen kann. Es gehört in den Hinweis an die Gäste, etwa als Satz, seit wann das Haus unter dieser Adresse erreichbar ist.
Bilder, Texte und Telefonnummer kann die Kopie übernehmen, eine seit Jahren genutzte Adresse kann sie nicht vorweisen.
Häufige Fragen
Woran erkennt man eine geklonte Hotel-Website?
Laut Watchlist Internet ist die Adresse erst vor Kurzem registriert, die Seite wirkt lieblos aus dem Baukasten gebaut, und viele Texte brechen mitten im Satz ab.
Was passiert mit den Daten, die Gäste auf der Kopie eingeben?
Buchen lässt sich auf den gefälschten Seiten nichts. Das Anfrageformular sammelt aber Reisedaten, Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer, und diese Daten lassen sich für andere Betrugsmaschen weiterverwenden.
Was tut ein Hotel, sobald eine Kopie seiner Website auftaucht?
Zuerst Screenshots mit Adresszeile und Datum sichern. Dann folgen eine Meldung an Google wegen Urheberrechtsverletzung, eine Abuse-Meldung an den Hoster und Meldungen an Watchlist Internet und Polizei. Zuletzt kommt ein Hinweis auf den eigenen Kanälen mit der richtigen Adresse.
Was gehört in den Hinweis an die Gäste?
Welche Adresse nicht zum Betrieb gehört, dass Anfragen dort nicht ankommen und unter welcher Adresse und von welchem Absender echte Bestätigungen kommen. Wer nur die falsche Adresse nennt, macht sie bekannter.
Quellen
Watchlist Internet (ÖIAT), „Fake-Webseiten: Kriminelle kopieren den Online-Auftritt echter Hotels“, 17. September 2026. Die Angaben zu den gemeldeten Domains und Registrierungsdaten stammen von der Watchlist Internet und wurden für diesen Beitrag nicht unabhängig überprüft. Der Fall Feuerberg nach der Watchlist-Meldung vom März 2026. Die Schritte 1, 4 und 5 sowie der Mustertext sind Empfehlungen von Peak Consulting, die Schritte 2 und 3 und die Erkennungsmerkmale folgen der Watchlist. Der Beitrag beschreibt die kommunikative und organisatorische Seite und ersetzt keine Rechtsberatung, etwa zu urheber- oder markenrechtlichen Ansprüchen.
- Watchlist Internet, „Fake-Webseiten: Kriminelle kopieren den Online-Auftritt echter Hotels“, 17. September 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Watchlist Internet, „Fake-Hotelwebsite als Basis für Kombi-Betrugsmasche“, März 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Watchlist Internet, Internetfalle melden (öffnet in neuem Tab)
- Google, Meldung wegen Urheberrechtsverletzung (öffnet in neuem Tab)
Peak Consulting begleitet Betriebe, Gemeinden und Organisationen in Niederösterreich, wenn der eigene Auftritt missbraucht wird – vom Hinweis an die Gäste bis zum Satz, den das Team am Telefon parat hat.
Zur Entstehung: Für Recherche und Faktencheck nutze ich KI. Jede Angabe prüfe ich an der Quelle, und jeder Satz geht erst nach meiner Freigabe online. Ist Ihnen ein Fehler aufgefallen, schreiben Sie mir an office@peakconsulting.at.
Passend dazu
- Krisenkommunikation
Was zu tun ist, wenn ein Vorfall öffentlich wird, und wer dann spricht.
- Leistungen im Überblick
Alle Formate mit Umfang und Preis.
Weitere Beiträge
- Krisenkommunikation beginnt vor der Krise – was Österreichs neue Zivilschutz‑App ZIVA Unternehmen und Gemeinden zeigt
Eine Warnung allein reicht nicht. Gemeinden und Organisationen brauchen vorbereitete Kanäle und konkrete Handlungsanweisungen. Was die neue Zivilschutz-App ZIVA für die eigene Kommunikation bedeutet.
- Ein Rückruf beim Mitbewerber landet als Frage beim eigenen Betrieb
Ruft ein Erzeuger in der Region Ware zurück, fragen Handel und Medien bald bei den Nachbarn nach. Welche sechs Fragen ein Betrieb vorher beantworten kann.
- Die Frist ist der Köder
Gefälschte SMS im Namen von Pensionsversicherung, ÖGK, ID Austria und FinanzOnline setzen eine knappe Frist und führen auf nachgebaute Seiten. Laut Bundeskriminalamt habe es von Jänner bis September 2026 rund 5.000 Phishing-Fälle mit etwa 19 Millionen Euro Schaden gegeben. Diese Seite sammelt die Fälle laufend, mit einem Prüfer für verdächtige SMS und Mails.
Im Ernstfall gilt, was vorher festgelegt wurde. Ich lege mit Ihnen Zuständigkeiten und Sprachregelungen fest, solange noch Ruhe ist.
- Der Check, Schwerpunkt Krise, 690 €