Die Kopie hat die echte Telefonnummer – was Hotels tun, wenn ihre Website geklont wird
Norbert Oberndorfer··5 Min. Lesezeit
Kopierte Hotel-Websites tauchten bisher als Einzelfälle auf, etwa im März 2026 beim Kärntner Mountain Resort Feuerberg. Am 17. September 2026 meldete die Watchlist Internet eine auffällige Häufung solcher Nachbauten – samt Impressum und Telefonnummer der echten Häuser.

Gäste melden sich beim Hotel und schicken einen Link zu einer Seite, die genauso aussieht wie die eigene, nur unter einer anderen Adresse. So erfahren Betriebe derzeit von ihrem Doppelgänger, berichtet die Watchlist Internet.
Der Schaden ist vorerst kein Geld, sondern Adressdaten
Keine Buchung, nur eine Anfrage. Auf den gefälschten Seiten lässt sich laut Watchlist Internet kein Zimmer buchen. Wer Interesse hat, schickt ein Anfrageformular ab, das An- und Abreisedatum, Vor- und Nachname, E-Mail-Adresse und Telefonnummer abfragt. Ob die Täter später auch Scheinbuchungen versuchen, ist nach Angaben der Watchlist bisher nicht bekannt. Die gesammelten Daten lassen sich aber für jede andere Betrugsmasche weiterverwenden.
Fünf Adressen, zwei Registrierungstage. Gemeldet wurden laut Watchlist Internet zuletzt dresdnerhuette.de, landhotel-wachau.de, hotel-seetal.de, salzburgerhof-dienten.com und babymio-tirol.com, Letztere ist inzwischen offline. Drei Adressen wurden am 10. September 2026 registriert, zwei am 11. August 2026. Die Watchlist schließt daraus auf dieselben Urheber. Eine der Adressen trägt die Wachau im Namen – die Region liegt in Niederösterreich, die Endung ist deutsch.
Wer nachprüft, landet beim echten Haus
Die Kopien übernehmen laut Watchlist nicht nur Fotos und Texte, sondern auch Impressum und Kontaktdaten. Ein vorsichtiger Gast, der die Angaben kontrolliert, findet also keinen Widerspruch. Und wer zur Sicherheit anruft, erreicht die Rezeption des Originals.
Damit wird das Personal zur ersten Stelle, an der der Betrug auffällt – als Frühwarnsystem taugt das, als Schutz nicht. Wer an der Rezeption oder am Telefon sitzt, braucht deshalb einen Satz, der sofort verfügbar ist: Die Anfrage ist bei uns nicht eingegangen, die Seite gehört nicht zu uns, wir haben sie gemeldet.
Fünf Schritte, sobald die Kopie auftaucht
- Beweise sichern. Screenshots mit Adresszeile und Datum, bevor die Seite wieder verschwindet. Sie werden für jede Meldung gebraucht.
- Meldung an Google. Die Watchlist Internet empfiehlt eine Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung. Hat sie Erfolg, verschwindet die Kopie aus den Suchergebnissen – aus der Suche, nicht aus dem Netz.
- Abuse-Meldung an den Hoster. Den Anbieter, auf dessen Servern die Seite liegt, zeigt eine Whois-Abfrage – eine öffentliche Auskunft darüber, wer eine Domain registriert hat und wo sie betrieben wird.
- Meldung an Watchlist Internet und Polizei. Die Watchlist führt gemeldete Fake-Seiten in ihren Warnlisten, eine Anzeige bei der Polizei dokumentiert den Fall.
- Eigene Kanäle bespielen. Ein kurzer Hinweis auf der eigenen Website, im Google-Unternehmensprofil und in den sozialen Medien, jeweils mit der richtigen Adresse.
Der Hinweis an die Gäste nennt die echte Adresse, nicht nur die falsche
Eine Warnung, die nur die gefälschte Adresse nennt, macht sie bekannter – geholfen ist den Gästen erst mit der richtigen. Der Hinweis braucht drei Angaben: welche Adresse nicht zum Betrieb gehört, dass Anfragen dort nicht ankommen, und unter welcher Adresse und von welchem Absender echte Bestätigungen kommen. Mehr verspricht er nicht. Zusagen wie „Wir fragen nie nach Kartendaten“ stehen nur dort, wo der Betrieb sie auch einhält.
Eine Fassung für Website und Profil:
Unter der Adresse [falsche Domain] ist derzeit eine Kopie unserer Website online. Sie gehört nicht zu uns, Anfragen über diese Seite erreichen uns nicht. Unsere Website ist ausschließlich [echte Domain], Bestätigungen kommen nur von [E-Mail-Adresse]. Wir haben die Seite gemeldet. Bei Fragen erreichen Sie uns unter [Telefonnummer].
Das Alter der Domain verrät die Kopie
Die Watchlist Internet nennt drei Merkmale, an denen sich die Nachbauten erkennen lassen. Die Adresse ist erst vor Kurzem registriert, die Originale dagegen oft seit vielen Jahren online. Die Seiten wirken lieblos aus dem Baukasten gebaut, was allerdings erst im direkten Vergleich auffällt. Und viele Texte brechen mitten im Satz ab.
Für den Betrieb heißt das: Das Alter der eigenen Domain ist ein Argument, das die Kopie nicht nachbauen kann. Es gehört in den Hinweis an die Gäste, etwa als Satz, seit wann das Haus unter dieser Adresse erreichbar ist.
Die Kopie übernimmt Bilder, Texte und Telefonnummer – die Geschichte der eigenen Adresse übernimmt sie nicht.
Häufige Fragen
Woran erkennt man eine geklonte Hotel-Website?
Die Watchlist Internet nennt drei Merkmale: Die Adresse ist erst vor Kurzem registriert, die Seite wirkt lieblos aus dem Baukasten gebaut, und viele Texte brechen mitten im Satz ab.
Was passiert mit den Daten, die Gäste auf der Kopie eingeben?
Buchen lässt sich auf den gefälschten Seiten nichts. Das Anfrageformular sammelt aber Reisedaten, Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer, und diese Daten lassen sich für andere Betrugsmaschen weiterverwenden.
Was tut ein Hotel, sobald eine Kopie seiner Website auftaucht?
Zuerst Screenshots mit Adresszeile und Datum sichern. Dann folgen eine Meldung an Google wegen Urheberrechtsverletzung, eine Abuse-Meldung an den Hoster und Meldungen an Watchlist Internet und Polizei. Zuletzt kommt ein Hinweis auf den eigenen Kanälen mit der richtigen Adresse.
Was gehört in den Hinweis an die Gäste?
Welche Adresse nicht zum Betrieb gehört, dass Anfragen dort nicht ankommen und unter welcher Adresse und von welchem Absender echte Bestätigungen kommen. Wer nur die falsche Adresse nennt, macht sie bekannter.
Quellen
Watchlist Internet (ÖIAT): „Fake-Webseiten: Kriminelle kopieren den Online-Auftritt echter Hotels“, 17. September 2026. Die Angaben zu den gemeldeten Domains und Registrierungsdaten stammen von der Watchlist Internet und wurden für diesen Beitrag nicht unabhängig überprüft. Der Fall Feuerberg nach der Watchlist-Meldung vom März 2026. Die Schritte 1, 4 und 5 sowie der Mustertext sind Empfehlungen von Peak Consulting, die Schritte 2 und 3 und die Erkennungsmerkmale folgen der Watchlist. Der Beitrag beschreibt die kommunikative und organisatorische Seite und ersetzt keine Rechtsberatung, etwa zu urheber- oder markenrechtlichen Ansprüchen.
Peak Consulting begleitet Betriebe, Gemeinden und Organisationen in Niederösterreich, wenn der eigene Auftritt missbraucht wird – vom Hinweis an die Gäste bis zum Satz, den Ihr Team am Telefon parat hat.
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